Italienische Sprachwissenschaft

Die Forschungsprojekte, die am Institut in den letzten Jahrzehnten durchgeführt wurden, haben sich an soziolinguistischen Fragestellungen orientiert, die insbesondere die Mehrsprachigkeit in der Schweiz zum Gegenstand hatten. Besondere Aufmerksamkeit wurde sowohl der individuellen als auch der gesellschaftlichen Zweisprachigkeit geschenkt, dem Kontakt zwischen dem Italienischen und anderen Nationalsprachen einerseits sowie dem Kontakt zwischen Italienisch und Dialekt andererseits. Unsere Forschungstätigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass unsere Fragestellungen eine Perspektive aus meist wenig erforschten Blickrichtungen einnehmen. Dazu gehören die Korrelation zwischen Sprache und Alter oder die computergestützte Kommunikation. Aus diesen Interessen sind anwendungsorientierte Projekte hervorgegangen, die sich mit der Verbreitung des Italienischen in der Schweiz befassen. Neben diesen Forschungsschwerpunkten beherbergt unser Institut auch weitere Forschungsrichtungen wie Raumreferenzen in Konversationen oder die Informationsorganisation in verschiedenen Sprachen. 

Aktuelle Forschungsprojekte

HeLiS – Herkunftssprachen in der Schweiz

HeLiS – Herkunftssprachen in der Schweiz: Zwischen Erhalt, Verlust und Revival

Die Schweiz ist geprägt von sprachlicher Vielfalt – nicht nur durch ihre Nationalsprachen, sondern auch durch zahlreiche Sprachen, die im Kontext von Migration über Generationen hinweg weitergegeben werden. Doch warum bleiben manche dieser Herkunftssprachen über mehrere Generationen erhalten, während andere zunehmend weniger verwendet werden, verloren gehen oder später bewusst wiederbelebt werden? Diesen Fragen geht das Projekt HeLiS – Herkunftssprachen in der Schweiz: Zwischen Erhalt, Verlust und Revival nach. HeLiS untersucht, welche individuellen, familiären und gesellschaftlichen Faktoren den Erhalt, die Erosion, den Verlust oder das Revival von Herkunftssprachen in der Schweiz beeinflussen. Mithilfe einer eigens entwickelten mehrsprachigen App werden grossangelegte Daten zu Sprachbiografien, Sprachgebrauch, Einstellungen und sprachlichen Transmissionspraktiken erhoben. Gleichzeitig dient die App als öffentlich zugängliche Wissensplattform und macht Erkenntnisse zu Mehrsprachigkeit und mehrsprachiger Erziehung einer breiteren Bevölkerung zugänglich. Das Projekt ist an der Universität Bern angesiedelt und vereint Forschende aus verschiedenen Bereichen der Sprachwissenschaft. Es wird von der UniBern Forschungsstiftung und der Burgergemeinde Bern gefördert.

MovIT - Moving Italian(s)

MovIT - Moving Italian(s)

Das Projekt, das aus einer Zusammenarbeit zwischen der Universität Bern, der KU Leuven, der Vrije Universiteit Brussel und der Universität Turin entstanden ist, hat zum Ziel, die Entwicklung des zeitgenössischen Italienisch zu untersuchen und zu beschreiben, ausgehend von der Sprache italienischsprachiger Gemeinschaften im Ausland. Ziel der Forschung ist die Erstellung einer Datenbank des zeitgenössischen Italienisch, die neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Standardsprache sowohl in Italien als auch außerhalb der nationalen Grenzen liefern soll. Der Forschungsprozess umfasst – im Hinblick auf die Datenerhebung – die direkte Einbeziehung der Sprecherinnen und Sprecher, dank der Entwicklung der Smartphone-App MovIT. Durch eine Reihe von Sprachquizzen und interaktiven Karten lädt die App die Teilnehmenden dazu ein, über das zeitgenössische Italienisch nachzudenken. Dabei werden Sprachverwendungen und Meinungen gesammelt, die es ermöglichen, Veränderungen der Standardsprache sowohl auf der Ebene der Sprachproduktion als auch der sprachlichen Wahrnehmung zu beobachten. Gleichzeitig schafft die App Verbindungen zwischen Mitgliedern der Migrantengemeinschaft, fördert das sprachliche Bewusstsein und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Das Projekt wird gemeinsam vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und dem FWO (Flandern) finanziert.

MoMIt – Mentale Modelle zum Italienischen als Fremdsprache in der Primarschule

MoMIt – Mentale Modelle zum Italienischen als Fremdsprache in der Primarschule

Das Projekt, das gemeinsam von der Universität Bern und der Pädagogischen Hochschule Graubünden durchgeführt wird, untersucht, wie Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen das Italienische als Fremdsprache an den deutschsprachigen Schulen des Kantons Graubünden wahrnehmen. Finanziert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), analysiert das Projekt die Motivationen, Emotionen und Einstellungen, die mit dem Erlernen der italienischen Sprache verbunden sind, welche in Graubünden die erste obligatorische Fremdsprache ist. Mithilfe von Fragebögen, Sprachtests und Gruppendiskussionen zielt die Forschung darauf ab, zu verstehen, wie mentale Vorstellungen die Motivation und die sprachlichen Kompetenzen der Lernenden beeinflussen. Dadurch sollen neue Grundlagen für die Lehrerbildung und die Valorisierung der Minderheitensprachen an den Schweizer Schulen geschaffen werden.